Fakt und Fiktion: Der Wiener Linienwall

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30. März 2017 von wortschmied

Jede Stadt, die etwas auf sich hält, hatte zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Geschichte eine Stadtmauer. Die verliefen meistens außen herum, gelegentlich auch mitten durch die Stadt. Entweder weil man sich mit den Nachbarn zerstritten hatte oder weil der Platz innerhalb der Mauer irgendwann zu eng wurde und die Stadt über die Mauer hinausquoll wie ein Kuchen mit zu viel Backpulver über die Kuchenform.

Aber nicht nur Städte wurden mit Mauern geschützt, Mauern wurden immer schon gerne errichtet, um sich vor vermeintlichen oder echten Feinden zu schützen. Und später sind sie immer noch nützlich, weil man die ehemaligen Feinde gegen eine kleine Gebühr darauf herumspazieren lassen kann.
Wobei wirklich aus der Mode gekommen ist das Mauern errichten ja immer noch nicht, wie man in der Zeitung lesen kann. Was zumindest für die Bauindustrie eine gute Sache ist.

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Linienwall Rest beim Landstraßer Gürtel (© J. Pollaschek 2017)

Wie auch immer und um endlich zum eigentlichen Thema zu kommen, bevor der letzte Leser vergrault ist: Auch Wien hatte, abgesehen von der Stadtmauer, eine weitere Verteidigungsmauer, den sogenannten Linienwall. Der wurde 1704 zum Schutz vor den Kuruzzen errichtet. Um die Sache kostengünstig zu gestalten, wurde dazu jeder männliche Einwohner Wiens zwischen 18 und 60 zwangsverpflichtet. Da niemand gerne zwangsarbeitet, führte dass dazu, dass der 13,5 Meter lange Linienwall innerhalb von nur vier Monaten errichtet war. Offenbar nach dem Motto, bringen wir es halt schnellstmöglich hinter uns, wenn wir es schon nicht verhindern können. Würde mich ja interessieren, wer in der Zeit die auch nicht ganz unwichtigen Dinge wie Brot backen, Post austragen und so weiter erledigt hat. Vermutlich die Frauen und vermutlich auch ohne Bezahlung.

Seinem eigentlichen Zweck diente der Linienwall allerdings nur genau ein einziges Mal, am 11. Juni 1704. Danach wollte offenbar niemand mehr angreifen, aber die Mauer wurde trotzdem weiter ausgebaut und verstärkt. Und nachdem sie dann schon mal da war, die Mauer, verwendete man sie dann ab 1829 bis 1892 als Steuergrenze.

In dieser Funktion findet der Linienwall auch in Professor Koslows Äthermaschine eine kurze Erwähnung. Kurz auch deswegen, weil Ada und Jakob gerade mit ziemlich hoher Geschwindigkeit unterwegs sind, als sie eines der Zolltore durchfahren und ganz andere Sorgen haben als historische Bauwerke zu bewundern.

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Linienwall Rest beim Landstraßer Gürtel (© J. Pollaschek 2017)

Heute gibt es nur mehr sehr magere Reste des Linienwalls zu begutachten, einen davon neben der Schnellbahntrasse am Landstrasser Gürtel beim Schweizer Garten. Das ist auch der Teil den ich für diesen Artikel photographiert habe.

Für Interessierte (und Schnellentschlossene) gibt es noch bis 13. April 2017 im Bezirksmuseum Wieden (1040 Wien, Klagbaumgasse 4) eine Ausstellung der Stadtarchäologie zum Linienwall.

Artikel Linienwall auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Linienwall
Artikel Linienwall auf wien.gv.at: https://www.wien.gv.at/wiki/index.php?title=Linienwall
Details zur Ausstellung „Der Wiener Linienwall. Vom Schutzbau zur Steuergrenze“: https://www.wien.gv.at/archaeologie/ausstellungen/2017/linienwall-bm.html

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Lesestoff

Professor Koslows Äthermaschine (Cover)
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